Sonntag, 16. Oktober 2016

… wenn Leser und Autoren zu Kontrolleuren gemacht werden


„Explizite Szenen – nur für Leser über 18“ 


Solche und ähnliche Zeilen finden wir auf Amazon in den Produktbeschreibungen. 
Na und?, wird manch einer sagen, was ist denn jetzt wieder das Problem? Es gäbe keins, würden sich Titel mit diesen Beschreibungen nicht in den Charts der Liebesromane tummeln. Ein Blick in die Leseprobe zeigt: Schon dort geht es zur Sache und zwar richtig. 

Dumm nur, dass diese Leseprobe auch für die Anti-Zielgruppe der unter 18-Jährigen einsehbar ist.  Stichwort Jugendschutz. Aber keine Panik: Es gibt schließlich Filter, die Wörter wie „explizit“ erkennen und dann schaut einer von Amazon da drüber, ob das in Ordnung geht. Oder?

Die Annahme liegt nahe, denn manch ein Autor wird schon die Erfahrung gemacht haben, wie die Filter von Amazon in den Suchworten, die Autoren oder Verlage für ihr Buch festlegen, Manipulationsversuche erkennen. Wer mit Suchworten wie „Bestseller“ oder „Harry Potter“ versucht, sein Buch besser zu platzieren, hat bald Post vom großen A. Das wird nämlich nicht gern gesehen. 

Also greift dasselbe System auch bei den Produktseiten?


Schön wär’s. Bei Verstößen dieser- und anderer Art verlässt sich Amazon auf die Leser – äh … *hüstel* ja, bzw. auf konkurrierende Autoren, die solche Vergehen melden sollen. Und auch wollen. Die anonyme Rezension als Mittel, um die Konkurrenz niederzuknüppeln, erhält ein verstärkendes Upgrade. 
Obwohl Amazon sicherlich in der Lage wäre, die Kontrollen an den Büchern selbst durchzuführen, Filter einzusetzen und am Ende gar Personal zur Qualitätssicherung, verschiebt man die Aufgabe auf andere und gibt den Veröffentlichern eine Waffe in die Hand. Der Kampf ist eröffnet. 
Ein Aufschrei ging durch die Reihen der Selfpublisher, nachdem diese Meldefunktion bekannt wurde. Das Missbrauchspotenzial muss nicht näher erläutert werden. 


Amazon fördert eine Kultur des Denunziantentums unter Autoren


Die ersten Auswirkungen zeigen sich bereits. Ein bekannter Thrillerautor wurde nach Kräften kurz nach der Veröffentlichung von lieben Kollegen ausgebremst, in dem seine Ankündigung einer Preisaktion auf der Produktseite Amazon gemeldet wurde.
Zugleich blieben andere Titel mit ebensolchen Ankündigungen im Beschreibungstext unangetastet. 

Ein neu eingeführtes "Warndreieck" macht auf mögliche, oder nur angebliche Mängel aufmerksam. Und bis der Autor den Mangel behoben hat, oder den KDP-Support überzeugen konnte, dass  überhaupt kein Mangel vorliegt, hält es potentielle Leser vom Kauf ab. 




Ja, es hat begonnen und Schreibfair hält dies für den falschen Weg, die Probleme zu lösen. 

Bildquelle: Amazon, Schreib fair

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen