Sonntag, 24. Juli 2016

Der Minecraft-Comic-Schwindel

Vor wenigen Tagen wurde Schreibfair auf eine Reihe von Ebooks aufmerksam, die sich aktuell in den All-Star-Charts tummeln. Auf den ersten Blick erscheinen die Bücher von M.E. Martin als eine Art Comic Fanfiction des beliebten Spiels „Minecraft“.
Da der Verkauf von Fanfiction in der Regel verboten ist, sah sich Schreibfair diese Titel genauer an und stieß sofort auf mehrere Ungereimtheiten.

Einige Titel von M.E. Martin fallen durch ihre enorme Länge von über 20 000 Positionen auf. Hat M.E. Martin so viele Geschichten geschrieben? Nicht wirklich. Stichproben zeigen, dass sich in den meisten Ebooks dieselben Texte finden, teilweise in Englisch und „Deutsch“. 
In Anführungszeichen deshalb,  denn nicht nur Schreibfair sondern auch mehrere Rezensenten vermuten: Hier war ein Google-Übersetzer am Werk. Die Texte strotzen vor Fehlern, manche Sätze sind unlesbar:

©Amazon.de

Wie erwähnt ist die Unlesbarkeit der Texte bereits mehren Lesern aufgefallen, die ihren Unmut nicht nur mittels ihrer Bewertung kundgetan haben, sondern auch eine Meldung über Qualitätsmängel an Amazon schickten. Schreibfair hat bereits einen Titel gefunden, der sich durch Amazon in der Löschung befindet. 
Die Frage muss hier erlaubt sein, warum Amazon dann nicht gleich etwas gründlicher hingeschaut hat, immer hin befinden sich noch weitere 45 Titel im Shop. 


M.E. Martin setzt anscheinend darauf, KU-Seiten mit Copy&Paste-Content aus den eigenen Werken zu sammeln. Uns erwarten immer dieselben Geschichten, gleich welches Buch vom Autor wir erwerben, lediglich der Comic variiert.
So der Eindruck nach einigen Stichproben. Doch damit nicht genug. In einem Buch findet Schreibfair das angepriesene Comic zweimal – einmal am Anfang und einmal am Ende des Buches. Dorthin führt ein Link, der einen Bonuscomic verspricht, aber es ist derselbe, den der Leser schon vorne vorgefunden hat.

Einen anderen Sprungmarkentrick findet Schreibfair bei einem weiteren Buch von M.E. Martin. Hier ist das Buch mit den üblichen Kurzgeschichten gefüllt und der Comic findet sich über eine Sprungmarke im Inhaltsverzeichnis am Ende.
Damit werden dem Autor eine fantastische Zahl von KU Seiten gutgeschrieben.  Das System funktioniert. In den vergangenen Monaten erhielt M.E. Martin mindestens drei Mal den All Star, wie hier an einem beispielhaften Screenshot zu sehen ist:

©Amazon.de


Was bedeutet "mindestens dreimal den All Star erhalten" eigentlich in harter Währung? Um sich für die niedrigste Stufe des Autoren-All-Star-Bonus zu qualifizieren, sind mindestens 450.000 gelesene Seiten erforderlich – dafür gibt es dann ca. 1.500 Euro. Dazu kommt der All Star Bonus von 500,- Euro. Dies bedeutet, dass auf betrügerischer Art und Weise in allein in den letzten drei Monaten mindestens 6.000 Euro ergaunert wurden. 6.000 Euro, die anderen Autoren entzogen wurden!

M.E. Martin scheut weder davor zurück, seinen Lesern stets dieselben Geschichten zu verkaufen und kräftig bei KU abzukassieren, noch macht der Autor vor dem Markennamen „Minecraft“ oder anderen Werken Halt, an denen er sich kräftig bedient.
So finden wir Figuren, die wir alle kennen, in den Büchern wieder. Szenen aus der Welt der „Hunger Games“ werden genauso genutzt wie diverse bekannte Comic-Charaktere.

Schreibfair fand zum Beispiel die fast komplette Übernahme der Geschichte „Asterix der Gallier“. Die Story wurde teilweise bis ins Detail übernommen, sogar die Dialoge sind fast gleich an manchen Stellen. Wer kennt nicht Obelix, der in den Zaubertrank fiel, weshalb seine Kräfte lebenslang anhalten? M.E. Martins Figur hat doch tatsächlich das Gleiche geschafft:

©Amazon.de

Um die Comics zu erstellen verwendet M.E. Martin offensichtlich Screenshots aus dem Spiel Minecraft.
Schreibfair nimmt nicht an, dass die Rechteinhaber von Minecraft darüber erfreut sind.

Ein Buch ist bereits wegen Qualitätsmängeln aus dem Verkauf genommen worden, werden weitere folgen? Wird vielleicht sogar der Account dieses KDP-Users geschlossen werden? Ausreichend Gründe liegen vor. Oder wird im August wieder ein warmer Euro-Regen auf M.E. Martin herniedergehen? Schreibfair wird über den Fall weiter berichten.

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