Samstag, 28. Mai 2016

Aus dem Leben eines Schreibfair-Admins


8.00 Uhr

Schon vor meinem ersten Kaffee meldet sich der Postkasten der Schreibfair-Fanseite. Einer Leserin ist ein Buch aufgefallen, Verdacht auf Plagiat. Ich antworte der Leserin und werfe einen Blick auf das Verdachtsbuch. Ja … die Frau könnte Recht haben. Die Autorin ist Schreibfair bisher nie aufgefallen, ich muss mir ihre „Werke“ erst näher ansehen. 
Aber vielleicht habe ich noch einen Moment Zeit für mein eigenes Manuskript? 
Ich habe gerade mein Dokument geöffnet, da erreicht mich die PN von einem anderen Admin. Die verdächtige Autorin löscht ihre Bücher! Jetzt heißt es Vollgas geben, bevor sie alle Beweise beseitigt hat.

8.30 Uhr

Aha. Fleißiges Fräulein. Unser neuer Verdacht hat schon einiges draußen und feiert sich anscheinend tüchtig ab bei den Fans aus dem Freundeskreis. Über Kindle Unlimited  habe ich mir ihr Buch runtergeladen.
Ich lese mich ein und sehe sofort: Klassiker. Jemand, der nicht schreiben kann und sich deshalb woanders bedient. Das ist bei den meisten Plagiatoren der Fall. 
Sehr schnell erkenne ich ihren „Stil“ und die erste Stelle im Buch, die davon abweicht. Ich suche die Textstelle im Netz – nichts. Ich suche weiter, bin mir sicher, es ist ein abgeschriebener Part, man kennt das Muster inzwischen. Das Problem: auch wenn man sicher ist, dass dieser Text niemals von dem „Autor“ selbst stammen kann, heißt das noch lange nicht, dass man die „Inspirationsquelle“ leicht findet.
Das kann leider Wochen dauern.  Zeit, die eigentlich keiner von uns übrig hat. Erst vorgestern habe ich eine Nachtschicht eingelegt und nicht nur ich.